Traveling

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in den letzten Monaten während meiner Pendelei zwischen Mannheim und Hamburg mit Zug- und Busfahrten oder Mitfahrgelegenheiten verbracht habe. Und jedes Mal nahm ich mir einiges an Arbeit mit. Diese Fotos bearbeiten, diesen Kram aussortieren, das hier lesen, Vergleiche kontrollieren. Und in den meisten Fällen verbrachte ich dann doch lieber die Zeit damit aus dem Fenster zu schauen. Sofern das möglich war. In den ICEs wird das Fenster an einigen Plätzen, sofern man Pech hat, zu 3/4 verdeckt sein. Das Ruckeln in den Zügen wird mir auch immer erst wieder bewusst, sobald ich den Laptop auspacke und versuche irgendetwas in InDesign oder Photoshop herumzuschieben. 

Bei den Busfahrten inklusive W-Lan war ich sehr euphorisch E-Mail- und Internetkram erledigen zu können, aber die schlechte Verbindung hat mich mehr aggressiv gemacht und überdeckte dann fast schon die Vorfreude auf T. Ich habe mir sogar extra Reisekaugummis besorgt, damit ich in Ruhe lesen kann ohne mir den Bauch halten zu müssen. Lesen in Zügen ist top, lesen in Autos und Bussen ein Flop.

Und die Mitfahrgelegenheiten. Günstige Alternative zu den Zügen, falls es bei Ltur keine Angebote für den gewünschten Tag gibt. Aber bereits nach dem 2. Mal ist man es leid, die gleichen Fragen zu beantworten und zu stellen. Erstaunlich wenige konnten mit dem Begriff Kommunikationsdesign was anfangen, dabei dachte ich, ist’s mittlerweile brutal trendy und jeder 2. macht „irgendwas mit Medien“. Ich will auch gar nicht bezweifeln, dass die Leute, mit denen ich in einem Auto für mehrere Stunden saß, nichts interessantes zu erzählen hatten. Immerhin waren dabei ein Zahntechniker, ein paar Verliebte, Mediziner, Modedesigner, aber gerade bei Fahrten in die Heimat war ich einfach traurig und wollte nicht reden, sondern einfach aus dem Fenster schauen und mir das Grün zum 10. Mal anschauen.

Die Ironie an dem ganzen hier ist, dass ich diesen Text auf meiner Heimfahrt im Zug tippte. Aber genau das ist glaube ich auch das worauf ich hiermit überhaupt hinauswill. Solch lange Strecken sind gerade zu prädestiniert dazu einfach nur aus dem Fenster zu schauen, hin und wieder ein paar Seiten in der Lektüre zu lesen und sich die Zeit zum Denken zu nehmen. Kurz mal abschalten.

Kurz vor meiner Abreise in die USA vermisse ich diese Zug- und Busfahrten.

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